31.01.2019

Marktmissbrauch und Insiderhandel frühzeitig erkennen

Banken müssen Angestellte adäquat schulen

BONN, 31.01.2019. Durch Marktmissbrauch und Verstöße gegen die Kapitalmarkt-Compliance wird die Integrität der Finanzmärkte verletzt und das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Funktionieren der Märkte untergraben. Börsenbetrug, Markmanipulation und Insiderhandel sind deshalb Straftaten, die mit erheblichen Geldbußen oder Gefängnisstrafen geahndet werden können. Die rechtliche Grundlage hierfür bilden die europäische Marktmissbrauchsverordnung (MAR) und die europäische Richtlinie über strafrechtliche Sanktionen bei Marktmanipulation (MAD II). In Deutschland ist es Aufgabe der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Fälle von Marktmanipulation aufzudecken und zu verfolgen. Rund 3.000 Verdachtsmeldungen von den Meldepflichtigen erhält die BaFin pro Jahr. Der Großteil davon entfällt auf Marktmanipulation, weniger als 20 Prozent auf Insiderhandel. „Die systematische Analyse fördert viele Bagatellfälle ans Tageslicht“, so Sebastian de Schmidt, BaFin-Referatsleiter Insiderüberwachung, vor Mitglieder der Finanzplatzinitiative BANKENNETZWERK in Düsseldorf. Der regulatorische Aufwand sei nicht nur für die Banken, sondern auch für die Finanzaufsicht erheblich gestiegen. Im Jahr 2017 analysierte die BaFin über 800 Vorgänge im Hinblick auf Marktmanipulation und Insiderhandel. Das ist fast doppelt so viel wie vier Jahre vorher. Die markante Steigerung der Fälle ist allerdings nicht der generellen Zunahme von Kapitalmarktbetrug geschuldet, sondern ein Ergebnis besserer Überwachung und Regulierung der deutschen Kreditinstitute – nicht zuletzt durch die Verpflichtungen durch MAD II/MAR. „Die Anzahl der Verdachtsmeldungen steigt massiv. Das bedeutet aber nicht, dass es mehr Kriminalität in diesem Segment gibt“, so Finanzaufseher de Schmidt.

Hinzu kommt, dass Anleger bei der Preisfeststellung und dem Handel mit Anlagezertifikaten und Hebelprodukten in zunehmendem Maße Betrug oder Marktmanipulation wittern. In der Regel hat aber kein Betrug stattgefunden, sondern die Anleger haben die Funktionsweise der Finanzprodukte nicht verstanden haben. Auch eine fehlerhafte Anlageberatung kann gravierende materielle Folgen für Bankkunden nach sich ziehen. Definitiv verboten ist, durch den Abschluss eines Geschäfts oder die Erteilung eines Handelsauftrags irreführende Signale hinsichtlich des Angebots, der Nachfrage oder des Preises eines Finanzinstruments zu geben (Wash Sales). Zudem verbietet die MAR ausdrücklich die Manipulation von Referenzwerten. Ebenfalls verboten sind Geschäfte, die auf einer vorherigen Abstimmung zwischen Käufer und Verkäufer beruhen und nach außen nicht vor ihrer Ausführung entsprechend transparent gemacht worden sind. Es ist auch verboten, Informationen zu verbreiten, die falsche oder irreführende Signale hinsichtlich des Angebots oder des Kurses eines Finanzinstruments geben oder ein künstliches Kursniveau herbeiführen (Scalping). „Diese Missbrauchsdelikte sind offenbar nicht auszurotten und leider immer wieder zu beobachten“, weiß Compliance-Experte Andreas Freudenmann, Leiter der Handelsüberwachung bei der Börse Stuttgart.

Um Fälle von Marktmanipulation aufzudecken, analysiert die BaFin Transaktions- und Orderdaten, führt Informationsrecherchen durch und beobachtet den Markt. Sie wertet Verdachtsanzeigen der Institute aus und geht Hinweisen nach, die sie von Handelsüberwachungsstellen der Börsen, Strafverfolgungsbehörden und Anlegern erhält. In diesem Kontext spielt die Schulung der Bankmitarbeiter eine zentrale Rolle. Um Marktmissbrauch, Börsenbetrug und Insiderhandel frühzeitig zu erkennen, wurden in den letzten Jahren umfangreiche Qualifizierungsmaßnahmen zur Schaffung von Awareness in den Instituten implementiert.
Mit Seminaren und Lernprogrammen bezüglich Kapitalmarkt-Compliance müssen Banken ihren Mitarbeitern die wichtigsten Informationen über Insiderrecht, Insiderhandel, Marktmanipulation sowie Kundenschutz in der Anlageberatung vermitteln und dadurch Compliance-Verstößen vorbeugen.
Mehr Informationen unter https://www.voeb-service.de/academy/compliance-geldwaesche-datenschutz

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Stefan Hirschmann

Mitglied der Geschäftsleitung
VÖB-Service GmbH