30.09.2019

Holistischer Lösungsansatz im Risikomanagement

NFR-Kongress von VÖB-Service zeigt Methoden im Management nicht-finanzieller Risiken

Mit der digitalen Transformation, einer permanent steigenden Komplexität des Bankgeschäfts und der Erweiterung des Risiko- und Regulierungs-Universums sind nicht-finanzielle Risiken zunehmend in den Vordergrund gerückt. Operationelle Risiken, Reputationsrisiken, IT-Risiken, Betrugsrisiken, Geschäftsrisiken, Modellrisiken oder auch Klimarisiken – das alles sind keine gänzlichen neuen Phänomene für professionelle Risikomanager. Neu ist allenfalls ein holistischer Lösungsansatz, der alle diese Risiken unter einem Dach zusammenfasst, gemeinsame Prozesse definiert und eine neue Risikokultur schafft. Um Interdependenzen und Wechselwirkungen von Risiken besser erfassen zu können, ist ein integrierter Ansatz erforderlich. Dabei bedienen sich Banken auch neuer Arbeitsmethoden und digitaler Mindsets.
„Während die Kernelemente der Organisationsstruktur – 3 Lines of Defense-Modell, Rollen und Verantwortlichkeiten, aufsichtsrechtliche Anforderungen usw. – unverändert bleiben, muss sich das Risikomanagement sowie die Risikomanagement-Funktion in einem agilen Unternehmen insbesondere auf dynamischere Planungs- und Umsetzungsprozesse einstellen“, sagt Moritz Weigand, Leiter Compliance und Geldwäsche bei der ING DiBa AG. Intern könnten viele Elemente von Agilität übernommen und positive Effekte freigesetzt werden, etwa beim agilen Projektvorgehen oder im Hinblick auf die Aktivierung des Potenzials der gesamten Mitarbeiterschaft im Sinne eines Startup-Geistes. Strategien, Richtlinien und Mindeststandards sowie die Qualität des Risk Managements blieben aber unverändert, so Weigand vor rund 150 Gästen des Kongresses „Non-Financial Risk in der Finanzwirtschaft“, der am vergangenen Donnerstag in Oberhausen zu Ende gegangen ist.

Der Transformationsprozess zieht in vielen Instituten einen fundamentalen Kulturwandel nach sich, denn betroffen sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie sämtliche Steuerungsprozesse innerhalb einer Bank, betroffen ist die Planung, Strategie und Governance, betroffen sind Daten, Methoden und das Berichtswesen. Radikale Transformation und Strukturwandel sowie externe Einflussfaktoren durch Politik und Regulierung – all das gilt auch für die Berücksichtigung von Klimarisiken im Risikomanagement, die in besonderem Maße die Dynamik des Wandels zeigen. Für die Finanzaufsicht BaFin bildet das Risikomanagement in Sachen Nachhaltigkeit den zentralen Punkt, da Nachhaltigkeitsrisiken als Teilaspekt der bekannten Risikoarten verstanden werden. Nachhaltigkeitsrisiken betreffen die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Banken sowie die Reputation; dies schließt klimabezogene Risiken in Form von physischen Risiken und Transitionsrisiken ein. „Die Institute sind aufgefordert, einen ihrem Risikoprofil angemessenen Ansatz zu entwickeln, nachprüfbar zu dokumentieren und im Zeitablauf an sich verändernde Gegebenheiten anzupassen“, weiß Dr. Ari Pankiewicz (Foto) von der Beratungsgesellschaft d-fine. Davon berührt ist u. a. die Entwicklung eines klaren und effektiven Rahmenkonzeptes zur Berichterstattung, zukunftsorientierte Szenario-Analysen und die Ableitung finanzieller Implikationen sowie die Einbettung von klimabezogenen Themen in Prozesse und in die Organisation über das reine Reporting hinaus. Banken, Versicherer und Kapitalanlagegesellschaften sind dazu aufgerufen, Antworten auf eine adäquate Berücksichtigung von Nachhaltigkeit zu finden sowie Methoden, Prozesse und Systeme für die Umsetzung zu entwickeln.

Die Nachlese des NFR-Kongresses finden Sie hier.

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VÖB-Service GmbH
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