15.01.2019

Compliance-Fachlichkeit und perfektes Networking

Rückblick auf den Executive-Lehrgang „Certified Compliance Officer“ (CCO)

Vor einigen Wochen fand der Executive-Lehrgang „Certified Compliance Officer“ (CCO) an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel mit einer Disputation seinen erfolgreichen Abschluss. Grundlage des neuartigen Zertifikatsangebots ist ein in Kooperation mit der Academy of Finance von der VÖB-Service GmbH und dem Frankfurter Arbeitskreis Compliance & Governance entwickeltes modulares Konzept. Dieses umfasst die fünf Compliance-Sparten Geldwäsche & Fraud, MaRisk-Compliance, WpHG-Compliance, Informationssicherheit und Datenschutz sowie ein zusätzliches Modul „CMS – Compliance Management System“ (angelehnt an IDW PS 980), wodurch die einzelnen Compliance-Sparten systematisch vernetzt und harmonisiert werden sollen.

Die Modul-Klausuren werden unter Examensbedingungen mit einer einstündigen Bearbeitungsdauer durchgeführt. Die geprüften Inhalte setzen sich aus Reproduktiv- sowie Transfer- und Analyse-Anteilen im Prozentverhältnis 40-30-30 zusammen. Ein erfolgreiches Absolvieren des Lehrgangs mit Hochschulzertifikat erfordert sowohl den Besuch der verpflichtenden Präsenztage als auch ein vertiefendes Eigenstudium anhand der zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialien. Diese Anforderungen muten für berufstätige Compliance Professionals auf Senior-Level mitunter etwas ungewohnt an, doch wird der Executive-Lehrgang dadurch auf 13 Arbeitstage reduziert und kann nach nur sechs Monaten abgeschlossen werden. Nach erfolgreichem Durchlaufen der einzelnen Lernmodule, die auch einzeln belegt werden können, wird jeweils ein separates Zertifikat zum Qualifikationsnachweis ausgestellt.

Im Rahmen der Abschlussprüfung und Disputation musste ein simulierter Krisenfall in einer Bank, der mehrere Compliance-Bereiche tangierte, als interaktives Team mit einer Vorbereitungszeit von 90 Minuten analysiert und inkl. einer schriftlichen Dokumentation einer gesamthaften Lösung zugeführt werden. Den Prüfungsausschuss bildete sodann ein fiktiver Vorstand der betroffenen Bank. Diesem musste der Krisenfall vorgetragen, in Fachfragen erklärt und die einzuleitenden Maßnahmen sachlich begründet werden. Ziel war, den Vorstand von den eigenen Vorschlägen zu überzeugen, sich ggf. mit Vorhaltungen auseinanderzusetzen und die eigene Lösung auch im Lichte von Nachfragen zu vertreten. Obgleich dies mit Zeitdruck und Stress verbunden ist, bildet das Verfahren, wie der Praktiker weiß, mitunter die Realität einer solchen Krisensituation ab.

Nicht nur die Disputation, sondern auch die einzelnen Blöcke konnten durch den hohen Praxisbezug überzeugen. Als Dozentinnen und Dozenten des Lehrgangs konnten Compliance-Experten aus verschiedenen Banken und Sparkassen gewonnen werden, die aus ihrem beruflichen Kontext viele praktische Erfahrungen einfließen ließen und zudem manches fachliche Problem, das die Teilnehmer mitbrachten, lösen konnten. Sämtliche Compliance-Bereiche des Hochschullehrgangs wurden mit umfangreichen Materialien begleitet, deren Einsatz im späteren Tagesgeschäft von den Dozenten erläutert wurde. Es handelte sich dabei nicht etwa nur um die Seminardokumentation oder weiterführende Literarturauszüge, sondern um digitalisierte Praxismuster, die unmittelbar in einer Bank oder Sparkasse mit wenigen Anpassungen eingesetzt werden konnten. Dazu gehörten spezialisierte Prozessübersichten, Gefährdungsanalysen, Kontrollpläne, Risikobewertungen, Risikostrategien, Arbeitsanweisungen, Stellenbeschreibungen, Jahresberichte, Ad-hoc-Berichte sowie Best-Practice-Einzelmaßnahmen.

Von großem Vorteil ist, dass diese Unterlagen größtenteils als „prüfungsfest“ bezeichnet werden können. Alleine dieser Fundus an digitalisierten Praxismustern kann bei einem späteren Einsatz in einer Bank oder Sparkasse durchaus die Kosten des Lehrgangs rechtfertigen. Neben diesen Praxishilfen bekamen die Teilnehmer wichtige Hinweise zu Begriffen und Vorgehensweisen, die in der Praxis über alle Compliance-Sparten hinweg eine große Rolle spielen. So haben sich beispielsweise die „Three Lines of Defence“ (3LoD), Risikokategorien und -strategien sowie Sicherungsmaßnahmen wie ein roter Faden durch alle Module des Lehrgangs gezogen und dadurch für die Anwendungsnotwendigkeit in der Praxis verfestigt. Insgesamt wird damit eine komplette Grundausstattung für eine umfassende Compliance-Organisation in einem Kreditinstitut geliefert, die auf die besonderen Erfordernisse des einzelnen Instituts angepasst werden kann. Damit wird der herkömmliche Leistungskatalog einer Fortbildungsveranstaltung deutlich überschritten. Mit dieser Kombination aus Lehrtätigkeit und Darreichung der Praxismuster kommt dem Hochschullehrgang definitiv ein Alleinstellungsmerkmal zu.

Spiritus Rector dieser systematischen Verbindung zwischen Mustermaterialien und Lehre ist Martin Daumann, der als gelernter Rechtsanwalt und als Chief Compliance Officer (CCO) der Degussa Bank in Frankfurt sowohl über theoretische als auch praktische Expertise verfügt. Daumann bewies bereits mit der Zusammenstellung des Lehrplans und der in ihren Disziplinen spezialisierten Dozenten eine gute Hand. Dies ist nicht zuletzt auf seine Funktion als Gründer und Vorsitzender des Frankfurter Arbeitskreises Compliance & Governance“ zurückzuführen, aus dem sich ein umfangreiches Netzwerk erschließt. Die positiven Rahmenbedingungen der European Business School (EBS) und der Academy of Finance von VÖB-Service in Bonn, eine persönliche und äußerst angenehme Arbeitsatmosphäre sowie die außerhalb des offiziellen Programms gemeinsam verbrachte Zeit im Rheingau ermöglichte eine perfekte Mischung aus Compliance-Fachlichkeit, aus persönlichen Kontakten sowie einem instituts- und sektorübergreifenden Austausch. Insofern ist das Konzept vollumfänglich aufgegangen.

Autoren:
RA Ralf Josten, LL.M. oec., Direktor Kommunen/Recht und Chefjustitiar der Kreissparkasse Köln.
Steffen Maier, Leiter der Gruppe Group Compliance Advisory II, Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), Stuttgart.